Chicago Marathon am 13.10.13 – Erlebnisbericht von Hans-Peter Schliemann

Chicago Marathon 2013Nach Marathon-Erlebnissen in New York, Berlin, London und Boston sollte es am 13.10.13 der Chicago Marathon sein. Die Anmeldung gestaltete sich im Februar allerdings als echte Herausforderung denn die Nachfrage ist enorm. Nachdem die Website bei 2/3 der Anmeldungen zusammengebrochen war, musste ich auf die Auslosung der verbliebenen 15000 Plätze hoffen  –  und hatte Glück. Die Reiseplanung konnte beginnen.

Abflug war am Freitag 11.10.13 mit abendlicher Ankunft im Hotel im Zentrum Chicagos. Dann gleich ins Bett, denn am Sonntagmorgen um 7:30 Ortszeit sollte der Startschuss sein. Am Samstag folgte der Besuch der Marathon-Messe. Die Neuentdeckung dort waren Pace Tattoos, die die Zwischenzeiten für jede der zu laufenden 26 Meilen angeben und die man sich auf den Unterarm „tätowieren“ konnte. Ich suchte mir die schnellste verfügbare Version mit einer Zielzeit von 3 Stunden aus. Meine Bestzeit vom Herbst 2012 lag bei 3:04:00 und wollte unterboten werden. Ob die 3-Stunden-Marke aber wirklich in Gefahr war, sollte der morgige Lauf zeigen. Die Wetter-Prognose für den Lauf war gut. Also noch Pasta essen und wieder früh ins Bett.

Das Aufstehen am nächsten Morgen um kurz vor fünf war leicht, denn nach der inneren Uhr war es bereits mittags. Ich traf meinen Lauffreund noch vor Sonnenaufgang und wir gingen durch Chicagos Straßen zum Start. Mit jeder Straßenecke wurde es enger und auf der Michigan Avenue quollen Läufer aus jeder Ecke. Nun wurden die nach dem Anschlag von Boston nochmals erhöhten Sicherheitsvorkehrungen offensichtlich. Es gab Personenkontrollen, fast wie am Flughafen und zur Kleiderabgabe durften nur die vom Veranstalter gelieferten transparenten Beutel benutzt werden. Es war eine tolle Stimmung während die Skyline rund um den Grant Park langsam in der Morgen-Dämmerung erstrahlte. Die Müdigkeit wich langsam einer positiven Spannung. Es war mit knapp 10 Grad Celsius kalt. Mit aufsteigender Sonne sollte es beim Laufen aber genau richtig sein. Bei Sonnenaufgang war es noch eine halbe Stunde bis zum Startschuss. Jeder begab sich in seinen Abschnitt. Für uns hieß das „Corral A“, gleich hinter den üblichen Kenianern und der amerikanischen Elite. Dann wurde die übliche Hymne gesungen, ein alter Kampfjet überflog den Bereich seeseitig und nach dem Start der Handbikes fiel der Startschuss auch für uns.

Das Tempo im anfangs engen Läuferfeld passte sofort, denn die Qualifikationszeiten für die Startblöcke wurden vorher überprüft, so dass tatsächlich alle Läufer gleichmäßig liefen. Bald ging es durch die Hochhausschluchten des Finanzdistrikts meilenweit geradeaus gen Norden. Die aufsteigende strahlende Sonne unterstützte die allseits euphorische Stimmung bei Läufern und Zuschauern. Schon war die Halbmarathon-Marke erreicht und ich war mal wieder zu schnell. Statt der geplanten 1:29 doch 1:28. Es ging weiter auf der Reise durch insgesamt 29 Stadtteile. Das Pace Tattoo erwies sich als äußerst nützlich, denn bei jeder Meile konnte ich die gemessene Zeit mit der auf dem Unterarm vergleichen. Die Verpflegung mindestens alle zwei Meilen war sehr gut. Bei km 30 wurde mir klar, dass ich schon dort 4 min schneller war als vor einem Jahr an gleicher Marke. Also kam mir die 3-Stunden-Marke wieder in den Sinn. Bis km 40 hörte ich immer wieder „keep it up“ und konnte mein Tempo tatsächlich recht konstant halten. Dann hieß es angreifen und alles geben was noch zu geben war. Noch einmal rechts und nach einer kurzen aber deutlich spürbaren Steigung wieder links, dann war das Ziel in Sicht. Tatsächlich  –  erstmals unter 3 Stunden: 02:58:47

Die Sonne schien von einem wolkenlosen Himmel und es gab Bier, leckere Protein-Drinks, Bananen, Fotos, Medaillen, sogar Eisbeutel zum Kühlen und jede Menge guter Stimmung. Der Weg zu den Kleiderbeuteln war ein Triumphzug. Weiter ging es zur „27ten Meile“. So hieß die Ziel-Party mit Live-Musik und einem (weiteren) kostenlosen Bier für jeden Marathon-Läufer über 21. Mit bester Laune und leicht lädiertem Fuß ging es durch die strahlende Stadt zurück zum Hotel.