Im Trikot der Europaauswahl – Großer Erfolg für Sarah Kistner beim Edinburgh Cross

Sarah und MartinSo erfolgreich das alte Jahr endete, so startet MTV-Läuferin Sarah Kistner gleich wieder in die noch junge Laufsaison 2016. Aufgrund ihrer hervorragenden Leistungen bei der Crosslauf EM in Hyeres/Frankreich erhielt Sarah eine Einladung des europäischen Leichtathletik-Verbands für die Europa-Auswahl beim Vergleichskampf USA-Großbritannien-Europa im Rahmen des Great Edinburgh Cross Country in der Klasse Juniorinnen U20 zu starten. Die Einladung umfasste auch eine Akkreditierung für Sarahs Trainer Martin Lütge-Varney, so dass für eine persönliche Betreuung vor Ort gesorgt war. „Ich kenne Edinburgh sehr gut, da ich häufig nach Schottland reise und daher die örtlichen Gegebenheiten sehr gut kenne“, so Lütge-Varney, „auch die Rennstrecke war mir so ungefähr geläufig. Wir hatten also fast so etwas wie ein Heimspiel. Die einzige Unbekannte war für uns die Konkurrenz. Zwar kannten wir die britischen und europäischen Läuferinnen von diversen Europameisterschaften, allerdings waren uns die US-Girls weitestgehend unbekannt, die in den College-Vergleichskämpfen sehr viel Wettkampfpraxis im Crosslauf bekommen und von uns daher sehr stark eingeschätzt wurden“.

Die Bedingungen am Wettkampftag waren alles andere als anheimelnd. Nasskalte Temperaturen von 2-3 Grad und starke Regenschauer sorgten für ein schweres Geläuf mit knöcheltiefen Schlammpassagen auf der Rennstrecke im königlichen Holyrood Park am Fuße des Edinburgher Hausbergs Arthur`s Seat. Zudem war auf den für die Juniorinnen zu laufenden 3 Runden bei einer Distanz von 4 km mehrfach ein Bach zu überwinden, der im Laufe des Tages aufgrund der Regenfälle immer breiter anschwoll. Sarah hierzu: „Wegen der Rennstrecke habe ich mir eigentlich weniger Gedanken gemacht, denn meine Trainingsstrecken in den Wäldern um den Altkönig sahen aufgrund der starken Regenfälle in den letzten Tagen teilweise ähnlich aus, so dass ich solche Bedingungen schon kannte. Allerdings hat mir die ungemütliche nasskalte Luft  mehr Sorge bereitet, zumal ich mit leichten Halsschmerzen anreiste, die ich aber dann zum Glück am Renntag nicht mehr gemerkt habe.“

Das  Rennen startete fulminant mit einem sehr hohen Tempo auf der Einführungsrunde mit den beiden britischen Favoritinnen Bobby Clay und Harriet Knowles-Jones an der Spitze des Feldes. Sarah hielt sich zu diesem  Zeitpunkt noch zurück, wohl wissend, dass die schwierigen technischen Passagen des Rennkurses noch kommen. In der zweiten Runde kämpfte sich Sarah dann Platz für Platz nach vorne dicht heran an das Führungsfeld, zu dem sich neben den bereits genannten Britinnen noch die Dänin Anna Emilie Moller gesellte. Auf der Schlussrunde konnten sich Clay und Knowles-Jones dann entscheidend absetzen, wobei Bobby Clay als 1.500m-Spezialistin das Spurtduell gegen ihre britische Mannschaftskollegin für sich in 14:09min entscheiden konnte. Sarah erreichte den Zielstrich nur kurz dahinter in 14:23 min als hervorragende Gesamtvierte (von 85 Finisherinnen) und konnte die erste US-Amerikanerin Katie Rainsberger noch deutlich auf Distanz halten. Sieger in der Teamwertung wurde das Team GB, dicht gefolgt von der europäischen Auswahl.

„Ich bin total glücklich. Insgeheim habe ich mit einem Platz unter den ersten 10 gerechnet, aber Platz 4 ist schon echt toll“ freute sich Sarah nach dem Rennen. „Außerdem hat das Rennen unheimlich viel Spaß gemacht, auch wenn es zwischendurch wirklich hart war. Das war mein bisher schönster Crosslauf, zumal die Kulisse mit der tollen Landschaft hier echt klasse war.“

Auch Sarahs Coach zeigte sich zufrieden: „Ich bin über alle Maßen zufrieden. Sarah hat ein taktisch ausgesprochen kluges Rennen abgeliefert. Ich hatte ein wenig Sorge, dass sie aufgrund der doch recht langen Saison 2015 ein wenig müde sei. Zudem hatte sie nach der Cross-EM mit einer recht hartnäckigen Erkältung zu kämpfen, die mir insbesondere hinsichtlich der Trainingsgestaltung einiges Kopfzerbrechen verursacht hat. Aber alles ist gut gegangen und ich bin überglücklich über dieses sehr starke Resultat. Mein Dank gilt zudem der extrem professionellen Organisation des Veranstalters und des Europäischen Leichtathletikverbandes. Alles verlief völlig reibungslos, so dass wir uns völlig auf die Wettkampfvorbereitung konzentrieren konnten.“

Der  Great Edinburgh Cross gilt als eine der renommiertesten und traditionsreichsten Crosslaufveranstaltungen der Welt, bei der sich schon eine Vielzahl von Olympiasiegern, Welt- und Europameistern in den Start- und Siegerlisten eintragen konnten. Dieses Jahr am Start war unter anderem der Doppel-Olympiasieger über 5.000m und 10.000m Mo Farah, der sich allerdings dem starken US-Läufer Garret Heath geschlagen geben musste.

Für das „Team Kronberg“ beginnt nun ein mehrwöchiger Wintertrainingsblock, bei dem die Grundlagen für die bevorstehende Saison geschaffen werden sollen. „Wir planen wieder zweigleisig“, so Lütge-Varney. „Zunächst möchte Sarah versuchen, die Qualifikation für die U20 WM über die 5.000m zu erreichen, die dieses Jahr im polnischen Bygdosz ausgetragen wird. Im weiteren Verlauf wird dann die Teilnahme an der Berglauf WM angepeilt. Glücklicherweise ist dieses Jahr der Terminplan ein wenig entzerrt gegenüber 2015, wo wir Bahn- und Bergvorbereitung fast zeitgleich durchführen mussten“.