Marathon mal ganz anders – Thomas Schiller beim Kristallmarathon in Merkers

Thomas beim Kristallmarathon
Thomas beim Kristallmarathon

Nach meinem Herbstmarathon in Bad Rodach im Oktober 2013 habe ich meine Trainingsplanung für die weiteren Monate so ausgelegt, dass ich möglichst einen längeren Trainingswettkampf pro Monat bis zu meinem ersten Ultralauf im Mai 2014 absolvieren möchte. Auch sollte der nächste Wettkampf von den Temperaturen her etwas angenehmer sein nach meinen Läufen im Winter, die in Athen, Bad Arolsen und Rodgau stattfanden. In Deutschland bieten sich trotz des milden Winters eher wenig Alternativen. Aber doch, da gibt es einen Untertage-Marathon in der Nähe von Eisenach, den Kristallmarathon Merkers, bei dem mehr oder weniger konstant 21 Grad Celsius herrschen.

Da meine Lebensgefährtin genauso im Training steht wie ich und unsere Tochter im Teeniealter durchaus nicht abgeneigt ist mal eine Nacht ohne Eltern, dafür mit Freundin, zu verbringen, war die Anmeldung schnell umgesetzt. Für derartige Läufe durchaus angebracht, denn es gibt Beschränkungen für den Transport der Leute mit dem Schachtfahrstuhl in 500 m Tiefe. Somit war diese Veranstaltung mit einem 10-km-Lauf, einem Halbmarathon und einem Marathon mit maximal 500 Teilnehmern bereits Ende Dezember 2013 ausgebucht.

Am letzten Freitag Nachmittag ging es dann zur Zwischenübernachtung etwa 170 km in Richtung Osten der Republik. Die Startunterlagen gab es erst am Folgetag kurz vor der Abfahrt im engen Fahrstuhl 500 m unter die Erde. Schon jetzt durften wir die verpflichtenden (Fahrrad-)Helme mit Laufleuchten aufsetzen.

Dort angekommen stiegen wir auf offene Pritschen-LKW’s, wo es zügig weiter Richtung Start ging. Wir bekamen einen Vorgeschmack auf das, was uns beim Lauf erwarten würde, denn teilweise fuhren die Fahrzeuge auf der späteren Laufstrecke, und es gab für uns Touris erläuternde Berichte über die Grube.

Start-Ziel-Bereich war in einer größeren Salz-Halle dieses Schaubergwerkes, in der sonst diverse andere Veranstaltungen stattfinden, wie Konzerte, Kabaretts, Hochzeiten und andere sportliche Veranstaltungen. Das war alles sehr beeindruckend, und auch die Organisation war klasse. Nur umziehen sollte man sich schon vor der Abfahrt, und Duschen war auch erst im Nachgang oben wieder möglich, was wegen der angenehmen Temperaturen, die dort unten herrschten, für die Mehrheit der Läufer sicherlich kein Problem war.

Auf der Marathon-Distanz gingen 110 Athleten an den Start, beim gleichzeitig stattfindenden Halbmarathon waren es rund 200. Die 10-km-Läufer starteten eine Stunde früher.

Eine Runde beträgt 3,25 km, so dass wir 13 Runden mit insgesamt 750 Höhenmetern zu absolvieren hatten. Je Runde gab es zwei gute Verpflegungspunkte, die notwendig waren wegen der extrem niedrigen Luftfeuchtigkeit um die 30 Prozent. Die Strecke ist einigermaßen ausgeleuchtet, so dass ich nur an bestimmten Stellen meine Kopfleuchte anschalten musste.

Nach jeder Runde konnte man über die Transponderzeitmessung an einer größeren Tafel seine Zeiten, noch zu laufenden Runden und den Gesamtplatz gut erkennen. Obwohl ich nicht auf Zeit laufen wollte und gemäßigt angefangen hatte (13. Platz nach der ersten Runde), spornt so eine Anzeige dann doch an. Zur Mitte des Rennens lag ich auf Platz vier, wobei die Orientierung bei den Überrundungen etwas schwer fällt, d.h. ich wusste nicht wirklich, wen ich jeweils überholt hatte, erst wieder bei der nächsten Tafelanzeige. Hier gab es dann eine echte positive Überraschung für mich, denn statt Platz vier stand plötzlich Platz zwei an der Tafel. Da mich in den letzten zwei Runden niemand mehr überholte, konnte ich mich über den zweiten Gesamtplatz in 3:04:16 Stunden und einen kleinen Kristallpokal freuen.

Alles in allem war dies eine empfehlenswerte, wenn auch nicht leichte Veranstaltung, denn die zu laufenden Höhenmeter unter Tage sind nicht zu unterschätzen.