Berichte der TZ auf dem Weg zum Sportabzeichen

Hier sind die letzten Berichte von TZ-Mitarbeiter Christian Preußer auf dem Weg zu seinem Sportabzeichen.

Die Stille nach dem Sprung 

Von Christian Preußer

Wie Bob Dylan einem Sportler wieder Mut einflößt.

Es ist noch früh am Morgen, als der Wecker klingelt. Ich trinke einen Kaffee, löffele meine Cornflakes und schwinge mich in meine Jogginghose. Draußen ist es kalt und ein bisschen nebelig. Ich schnüre meine Turnschuhe und mache mich auf den Weg. Am Abend zuvor hatte ich mir das neue Album von Bob Dylan auf meinen iPod geladen. Während ich frierend durch den Stadtpark jogge, tönt es durch die Kopfhörer: „It’s a long road, it’s a long and narrow way“ – und so fühle ich mich auch. Die Erfolge stellen sich nur langsam ein, zäh komme ich voran. Den 1000-Meter-Lauf habe ich geschafft, das Schwimmen auch. Bis ich mir das Sportabzeichen ans Revers heften kann, muss ich noch 4,50 Meter weit springen und den 3000-Meter-Lauf bestehen. Ich bin optimistisch. Eigentlich.

Dann trifft sich unsere Gruppe auf den Schülerwiesen, um zu laufen, zu springen und zu stoßen. Für mich steht erneut Weitsprung auf dem Programm. Mein Bruder versichert mir: „Es kommt nur auf die Geschwindigkeit des Anlaufs an. Der Schwung trägt dich dann schon.“ Konzentriert laufen wir unsere Runden. Wir flachsen und stimmen uns ein. Uta Nagel ist sich sicher: „Heute klappt es bestimmt.“ Die Grube ist bereitet und mein Bruder läuft an. „Das hat gereicht“, ruft Isolde Conradi. Applaus. Mein Bruder ist souverän 4,85 Meter gesprungen. Eine Ansage. Ich konzentriere mich auf die Grube und wippe vom rechten auf das linke Bein. Ich laufe, so schnell ich kann, noch schneller, komme dem Absprung näher, reiße die Arme nach oben.

Der Sprung kommt mir unendlich lange vor. Kein Lidschlag, die Zeit steht still. „You stand and fight or you break and run“ – noch so ein Dylan-Zitat. Ich lande in der Grube, auf beiden Füßen, lasse mich nach vorne fallen. Stille. Isolde Conradi nimmt das Maßband und misst. Knappe vier Meter. Also noch mal. Beim nächsten Anlauf merke ich schon nach wenigen Metern, dass etwas in meinem linken Oberschenkel zwickt. Mir egal – ich will es schaffen. Unbedingt. Wieder hat es nicht geklappt. Ich bin der Verzweiflung nahe, das Blut in meinem Oberschenkel pocht. Ich schimpfe auf mich und meine Trägheit der vergangenen Jahre.

Dieser verflixte Weitsprung. Diese kuriose Disziplin! Seit ihren ersten Tagen rennen Menschen vor Tieren weg, sie werfen Steine bei der Jagd, sie schwimmen, um zu überleben. Aber springen? Ist das im Überlebenskampf überhaupt vorgesehen?

Es ist früh am Morgen, als der Wecker klingelt. Bob Dylan lacht über meinen Muskelkater: „Legs and arms and body and bone.“ Ich lache auch, denn ich weiß, ich werde nicht einknicken.

Artikel vom 17. September 2012, 03.26 Uhr (letzte Änderung 17. September 2012, 05.03 Uhr)

 

Beim Weitsprung zu früh gelandet

150 Jahre alt wird der MTV Kronberg in diesem Jahr. Deshalb sollen 150 Personen ihr Sportabzeichen ablegen. Eine davon ist TZ-Mitarbeiter Christian Preußer. Der hat jetzt gemerkt, dass er noch trainieren muss.

Kronberg. Den letzten Weitsprung? Mal überlegen. Das war in der achten Klasse bei den Bundesjugendspielen. Vor gut zehn Jahren. Jetzt stehe ich hier, in meiner kurzen Sporthose, meinen Turnschuhen und warte, bis der Sand glattgezogen ist. Uta Nagel steht neben der Weitsprunganlage und hält das Maßband in der Hand. 4,50 Meter muss ich springen.

Die Jungs von der Hockey-Mannschaft, die am Mittwochabend auch auf den Schülerwiesen trainieren, haben sich spontan dazu entschlossen, das Sportabzeichen zu absolvieren. Weitsprung, 100- und 3000-Meter-Lauf, Kugelstoßen: Alles an einem einzigen Tag. Das Schwimmen haben sie bereits am Montag hinter sich gebracht.

Gemeinsam mit Isolde Conradi und Uta Nagel waren rund 30 Sportabzeichler ins Kronberger Schwimmbad gepilgert, um ihre Bahnen zu schwimmen. „Wir haben uns über die rege Teilnahme gefreut“, erzählt Nagel. „Allerdings war der Bademeister nicht besonders kooperativ und sehr unfreundlich. Obwohl wir den Termin mit der Schwimmbadleitung bereits vor Monaten festgelegt hatten, weigerte sich der Bademeister, uns eine Bahn abzusperren. Das erschwerte die Prüfungen.“

Auch die anderen Sportler haben für dieses Verhalten kein Verständnis: „Als Kronberger Verein wollen wir natürlich auch in Kronberg bleiben. Jetzt müssen wir uns überlegen, ob wir nicht in ein anderes Schwimmbad ausweichen.“ Die Empörung steht den Sportlern ins Gesicht geschrieben. Immerhin haben die meisten die Schwimmprüfungen trotzdem erfolgreich absolviert.

Moritz Ohloff steht bereit. „Bisher hat alles ganz gut geklappt“, sagt er. Doch jetzt muss der Hockeyspieler „in die Grube“. Seine Teamkameraden stehen hinter ihm und feuern ihn an: „Der erste Sprung hat nicht geklappt. Mal sehen wie weit ich diesmal springe.“ Auch er muss die „Vier-Fünfzig“ knacken. „Fast unmöglich für einen Hobbysportler, wie ich es einer bin, wenn man nicht die richtige Technik kennt“, denke ich so bei mir, während Ohloff im schnellem Sprint auf die Sprunganlage zurennt. Er hebt ab und landet im weichen Sand. „Knapp gescheitert – nur 4,10 Meter“, ärgert sich der junge Mann. Später am Abend wird Ohloff die Weite deutlich überspringen. „Es liegt nur an der richtigen Technik. Schnell anlaufen, im richtigen Moment Arme hochreißen.“

Bei meinem ersten Sprung schaffe ich 4,32 Meter. Allerdings kippe ich nach hinten weg: Der Versuch ist ungültig. Ich lache in mich hinein: „In der achten Klasse bin ich auch nicht weiter gesprungen.“ Am 12. September wird es soweit sein, an diesem Tag will ich meine restlichen Prüfungen ablegen und das Sportabzeichen erringen. Ich habe also noch rund drei Wochen Zeit fürs Training.

Langsam wird es kühler auf den Schülerwiesen. Die Hockeyjungs ziehen ihre Runden um den Sportplatz. Den 3000-Meter-Lauf wollen sie heute noch absolvieren. Sie laufen Spitzenzeiten. Der erste unterläuft sogar die 12-Minuten-Marke. Während wir anderen am Geländer stehen und den Sportsgeist der Hockey-Spieler bewundern, freuen wir uns auf die abschließende Übung des Abends: ein Glas Bier oder Apfelwein auf der Terrasse der Hainklause.

Artikel vom 24. August 2012, 03.24 Uhr (letzte Änderung 24. August 2012, 05.04 Uhr)