DATEV Challenge Roth – we are triathlon!

Challenge Roth

Am Nikolaustag 2015 ergatterten Willy Schuster aus der Triathlonabteilung und Thomas Schiller aus der Laufabteilung einen Startplatz für das legendäre Langdistanzrennen in Roth. Ab diesem Zeitpunkt standen die beiden vor der gleichen Herausforderung: ihre erste Langdistanz zu finishen!

Die beiden hielten einen engen Kontakt und soweit zeitlich möglich, bewältigten sie die eine oder andere Radtour oder RTF gemeinsam.

Außerdem in Roth als Familienstaffel für die Hardtseemafia am Start die drei MTVler Santino Miceli (Schwimmen), Birgit Miceli (Rad) und Jens Hochheimer (Laufen).

Hier sind die Rennberichte:

 

Challenge Roth, 17. Juli, 2016 „Ein Marathon zum Nachtisch“ – Willy Schuster

„Nachtisch hat für mich immer eine große Bedeutung, er gehört immer zu einem guten Essen, egal wie viel das war. Vor gut zehn Jahren kam ich auf die Idee, vor meinem fünfzigsten Geburtstag einen Marathon zu bewältigen. Etwa zur gleichen Zeit habe ich auch mit Triathlon begonnen, denn Laufen alleine war zu wenig. Mein Triathlondebüt war der über meinen Arbeitgeber gesponserte erste „Datterich“ Triathlon in Darmstadt über die zehntel Distanz eines Ironman. Das hat mir gefallen und ich blieb dabei. Gut zehn Jahre später kam im letzten Herbst die Entscheidung zur Langdistanz: Vorspeise 3,8 km Schwimmen; Hauptgang 180 km Radfahren – heißt, bei einem Durchschnitt von 30km/h sechs Stunden im Sattel – und eben zum Nachtisch 42,198 km, einen Marathon. Damit war Roth für mich der bisher nachhaltigste Nachtisch…Willy Schuster

Bei optimalen Wetterverhältnissen, leicht bewölkt, angenehme Temperatur und windstill, starteten Thomas und ich eine gute Stunde nach Jan Frodeno in der 16. Startgruppe im Main-Donau-Kanal bei Hilpoltstein mit einem Kanonenschuss auf die 3,8 Kilometer der Schwimmstrecke. Ich habe versucht, Abstand von der Masse der Schwimmer zu halten und entschieden, so weit wie möglich in der Mitte des Kanals zu schwimmen. Alle fünf Minuten gab es einen Wasserstart mit 200 Teilnehmern, so dass ich nach wenigen Zügen, noch in der Orientierungsphase beim Einschwimmen, vom Kanonenschall der Folgegruppe überrascht wurde. Wichtig für mich war ruhig, ohne Behinderungen, die Schwimmstrecke zu bewältigen. Das ist mir auch gut gelungen, beim Schwimmen und der ersten Wechselzeit war ich in meiner Altersklasse (M60) noch Erster.

Beflügelt von der guten Schwimmzeit habe ich die ersten 50 km der Radstrecke richtig genossen, fand alles wunderbar, ab KM 70 merkte ich bereits die Oberschenkelmuskulatur und wurde natürlich den Solarer-Berg förmlich von den Zuschauern hochgetragen, danach kam dann der mahnende Gedanke, dass nach einem zweiten Durchgang erst der Marathon folgt.

Nach der zweiten Überquerung des Main-Donau-Kanals bei Hilpoltstein ist mir die Warnung bei der Wettkampfbesprechung eingefallen, dass man nach der ersten Runde nicht rechts in Richtung Roth abbiegen soll, sondern geradeaus in die zweite Runde fahren soll, was ich auch tat. Nach einem Kilometer fiel mir eine rote Ampel auf, an der Autos durchfuhren, danach landete ich an einer Kreuzung, die von der Polizei gesperrt war. Auf die Frage, wo die Radstrecke denn führe, bekam ich zur Antwort, sie kämen nicht aus der Gegend und wüssten das nicht. Ein Kampfrichter war auch nicht zu sehen, also entschied ich, alles wieder zurückzufahren. Ich hatte die zweite Kanalüberquerung mit der vierten verwechselt, die sehr ähnlich aussah. Ein einfacher, durchgezogener Strich auf der Fahrbahn und ein Pfeil auf dem Asphalt hätten diesen Abstecher eher verhindert, als 500-700 m vorher eine große Ausschilderung, die ich soweit vorher nicht beachtet habe.

In der zweiten Runde zwischen KM 90 und 120 war die Anstrengung in Beinen und Rücken eindeutig zu spüren. Die Sonne kam raus und dadurch wurde es wärmer, langsam wurde es mühsam, die süßen Gels zu schlucken, die Steigungen zerrten weiter an den Reserven und danach folgte der zweite Durchgang der 10% Steigung bei Greding, die sich insgesamt auf eine Länge von 3 km hin zieht. Auf den freien Flächen machte sich Gegenwind spürbar und danach nochmal der Solarer Berg als letzte Herausforderung vor den letzten 25 km bis Roth zur Wechselzone 2.

Hier angekommen bin ich ins Sanitätszelt, habe Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung im Blut prüfen lassen, bevor ich dann mit etwas salzigem Gebäck und Melone gestärkt den Marathon angegangen bin. Die ersten fünf Kilometer waren Problemlos, eine angenehme Streckenführung zum Main-Donau-Kanal, den man zunächst in Richtung Norden bis Schwand und dann nach Süden bis Eckersmühlen und zurück nach Roth laufen musste. Ab KM 15 war die Anstrengung in den Oberschenkeln überdeutlich spürbar, an den alle 3,5 km platzierten Verpflegungsstellen waren kurze Gehpausen nicht mehr zu vermeiden, aber die Devise hieß, immer wieder loszulaufen, auch wenn das Anfangstempo nicht mehr zu halten war. Ab KM 25 konnte ich keine süßen Gels mehr runter schlucken, Wassertrinken ging auch nicht mehr, also nur nasse Schwämme zur Kühlung und konstant weiterlaufen, an allen schnellen Läufern vorbei, die jetzt nur noch gehen konnten. Endlich zurück in Roth, die erste Steigung bei der Wechselzone 2 bin ich der Einzige, der hier hoch läuft, die Zuschauer feuern mich an, dann sehe ich das Stadion, das Ziel, aber ich muss noch eine 2 km Schleife durch die Altstadt von Roth drehen, ich will nur noch ins Ziel, doch die Kilometer dehnen sich, als wären sie aus Gummi, dann bin ich im Stadion, sehe einen Torbogen, setzte zum Endspurt an, mobilisiere die letzten Reserven, erreiche den Bogen, da kommt noch einer, das war´s noch nicht, dann folgt ein noch größerer Bogen, ich erkenne das Stadion, überhole noch eine Gruppe Staffelläufer, die gemeinsam ins Ziel einlaufen wollen, aber dort ist auch noch nicht das Ziel, also nochmals Zähne zusammenbeißen und ein drittes Mal zum Finish ansetzen und endlich geschafft. Ziel erreicht, 12:50:37, eine gute Stunde schneller als ursprünglich gedacht. Challenge Roth ist fantastisch, kann ich jedem nur empfehlen!

Um das jedoch zu erreichen war für mich eine intensive, gut geplante Vorbereitung die wichtigste Voraussetzung. Das war für mich durch das Training beim MTV Kronberg in der Triathlonabteilung und der sehr guten halbjährigen individuellen Trainingsplanung durch meinen Coach Martin Dröll möglich.“

 

„Von Einem oder besser Zweien die auszogen, um Langdistanz-Finisher zu werden“ 

Thomas Schiller (Laufabteilung)

Mir ging es zum Teil ähnlich wie Willy, was die Vorgeschichte betraf. Nur das ich nicht sofort mit Triathlon begonnen habe, sondern mich erst mal 15 Jahre auf Marathonläufe fokussierte. In 2011 schlug dann meine Lebensgefährtin vor, dass wir doch mal gemeinsam versuchen könnten, das Kraulschwimmen zu lernen. Sie tat’s. Ich hab’s nicht gepackt, weder mental noch arbeitsmäßig. Wobei Letzteres wohl immer eine Ausrede ist. Sie ist dran geblieben und hat 2014 den Ironman Frankfurt gefinisht. Ich war tief beeindruckt und ein wenig angefixt. Einen Monat später im Urlaub nahm ich meine erste Kraulstunde und hatte ehrlich die folgende Nacht Albträume von dem vielen Wasser, was ich geschluckt habe. Auch die folgenden Erwachsenen-Kraulkurse, die ich regelmäßig in der Folge besuchte, waren nicht viel besser, obwohl ich versuchte, parallel noch jeweils 1-2x zusätzlich für mich ins Schwimmbad zu gehen. Zum Glück hatte ich das Vorbild aus der Vergangenheit im eigenen Hause und konnte mich besonders in Tiefs immer wieder austauschen. Keine Ahnung, wieviele Kurse ich am Ende belegt habe. Fakt ist, es war richtig und notwendig. Ich habe immer gesagt, die Hälfte meines Geldes, welches ich für die Schwimmkurse ausgegeben habe, wurde wieder dafür verwendet, um das Wasser nachzufüllen, welches ich schlucken musste.

Thomas SchillerWenn auch langsam, so konnte ich mich endlich zu Ende 2015 längenmäßig kraulend über Wasser halten. Der „Höhepunkt“ für mich war eine meiner beiden letzten Halbdistanzen im Juni dieses Jahres. Bei einem dieser Wettkämpfe gab es Neoprenanzugverbot, weil das Wasser zu warm war. Ich bin zuvor noch nie 2000m am Stück im Freiwasser und schon gar nicht unter Wettkampfstress geschwommen. Das Ende vom „Lied“: „Last man out of the water“, d.h. ich bin wirklich als Allerletzter aus dem Wasser gekommen. Aber ich habe es gepackt! Das hat mir eine gewisse Zuversicht gegeben für Roth 3 Wochen später.

Im Wasser in Roth mit Neoprenanzug versuchte ich, ähnlich wie Willy, mich aus der Masse herauszuhalten und meinen eigenen Schwimmrhythmus zu finden, was nach ca. 250m gelang. Nachdem ich die Hälfte der Schwimmdistanz geschafft hatte, gingen mir noch mal zig Dinge durch den Kopf, inkl. der Tatsache, dass ich mal einen der Einsteigertriathlons während des Schwimmens abbrechen musste 2014. Damals bin ich aber auch noch völlig „blauäugig“ gestartet. Diese Gedanken konnte ich allerdings rechtzeitig erfolgreich verdrängen. Stolz und nicht als Letzter kam ich nach für mich akzeptablen 1h 35min aus dem Wasser. Sicher einer der Gründe, warum ich eine relativ lange Wechselzeit von ca. 11min hatte.

Vom Training und den ca. 6000 Radkilometern in den letzten 12 Monaten, die Mehrheit davon in den letzten 6 Monaten, sollte es mit den 180km eigentlich klappen. Doch ein solcher Wettkampf ist lang. Da kann viel passieren, inklusiv technischen Defekten und Stürzen. Außerdem versuchte ich von Beginn an, Tipps von erfahrenen Langdistanzfinishern zu beherzigen, nämlich sich nicht auf der ersten Hälfte auszupowern und rechtzeitig Nahrung aufzunehmen. Neben der offiziellen und vorher bekannten Verpflegung vom Veranstalter wollte ich möglichst meine mir bekannte und vielfach getestete Nahrung aufnehmen. Diese sollte nicht eintönig sein und ich habe mir bewusst immer wieder nach Uhr etwa alle 30 – 45 min eine Kleinigkeit gegönnt, von Riegeln, Gels, Apfelstücken bis zu Keksen. Dazu natürlich immer wieder kleine Schlucke zu trinken von meinem eigenen Iso oder dem offiziellen Wasser. Außerdem habe ich mir die Strecke ein wenig „eingeteilt“ und mich immer wieder auf besondere Highlights gefreut, sei es auf eine längere Abfahrt oder einer der Stimmungsnester. Besonders die erste Durchfahrt des unter Triathleten so bekannten Solarer Berges hat mir schon vorher eine Gänsehaut beschert. Es wird unvergesslich bleiben.

Endlich, der letzte Wechsel. Als Läufer kam nun meine Spezialdisziplin. Trotzdem natürlich unklar, wie sich die vorherige Belastung so auswirken wird. Nicht überraschend, dass der Beginn etwas unrund und vor allem anstrengend war. Überraschend dann für mich, als ich auf meiner Laufuhr realisierte, wie schnell ich doch unterwegs war. Das verlangsamte sich zwar mit der Zeit etwas, aber immer noch alles im erwarteten Rahmen. Der Marathon ging vielfach am Main-Donau-Kanal entlang. Einmal in die eine Richtung und dann auf derselben Seite wieder zurück. Deshalb hielt ich immer Ausschau nach Willy. Hoch erfreut war ich, als ich ihn endlich erspähte. Denn damit war wahrscheinlich, dass wir beide es packen können als Rookies und die monatelange Trainingsanstrengung nicht umsonst war. Später bei ca. 28km ging es mir im Magen nicht ganz so gut. Jetzt kam mir etwas meine langjährige Lauf-Wettkampf-Erfahrung zu Gute. Nach einer Gehpause und einem Schluck heißer Brühe konnte ich zum Glück wieder anlaufen und habe am Ende fast meine angestrebte Laufzeit von unter 3h 30min erreicht. Der für mich viel zu kurze emotionale Zieleinlauf wird mir immer in Erinnerung bleiben. Meine Zeit blieb bei 11:27:47h stehen.

Bis auf das Laufen, einige Rad-RTF’s mit Willy und den besagten Schwimmkursen, habe ich viel autodidaktisch, basierend der Erfahrung meiner Lebensgefährtin, nach Zeitverfügbarkeit und Wetter, also vor und nach der Arbeit trainiert. Ich denke, jeder der so ein Ziel hat, muss seinen Weg finden. Fakt ist, ohne eine gewisse Disziplin wird es eher nicht funktionieren. Träume Dein Leben, lebe Deinen Traum. Ich habe mich für Letzteres entschieden.

DATEV Challenge Roth (3,8-180-42,2)

NameZeitAKPlatz
1265Thomas Schiller11:27:47 (01:35:03/00:11:13/06:05:08/00:05:00/03:31:24) M50126
1955Willy Schuster12:50:37 (01:16:08/00:03:52/06:28:03/00:08:09/04:54:26) M6020

Familienstaffel Santino – Birgit – Jens

Birgits Bericht:

Jens – Birgit – Santino

„Santino hatte auf der 3,8 km langen Schwimmstrecke bis zum ersten Wendepunkt mit negativen Gefühlen zu kämpfen, weil er nicht wusste, ob er seine vorgenommene Zeit schafft. Ständig wurde er überholt und wusste nicht, wann der Wendepunkt kommt. Als dann endlich der Wendepunkt kam, war er sehr motiviert und hat die komplette zweite Hälfte extrem Gas gegeben. Als das Ziel näher kam, konnte er die vielen jubelnden Menschen um sich herum sehen und war fasziniert von der Atmosphäre. Als er dann sehr geschwächt in die Wechselzone rannte merkte er, dass er seine Zielzeit erreicht hatte und war überglücklich. Was mich anbelangt bin ich voller Adrenalin losgeradelt und hatte bereits nach km 20 die Befürchtung, dass ich eventuell zu schnell bin. Meine Motivation war aber so groß, dass ich auf einmal schon am Solarer Berg war. Die Menschen, das Anfeuern und die Ernährung, alles hatte gepasst. Als ich bei km 90 war wusste ich, die zweite Hälfte packe ich auch ohne Probleme. Ich war nur noch am Überholen, auch ich war geflasht… Mit einem Grinsen im Gesicht bin ich in die zweite WZ und war glücklich über meine Zeit. Jens ist dann auf die Laufstrecke. Der Einstieg ins Rennen fiel ihm durch die vorangegangenen Tage mit dem vielen Rumlaufen schwer. Es dauerte, bis er seinen Rhythmus gefunden hatte. Ab km 18 fing das Rennen an, richtig Spaß zu machen. Das Bejubeln und Anfeuern der Leute ist einfach unbeschreiblich. Ab km 33 hatte er leichte Anflüge von Krämpfen, die er aber in Schach halten konnte, um schlussendlich dann einen unbeschreiblichen Zieleinlauf mit Santino und mir zu haben. Das Ende vom Lied…: wir sind super happy und werden nächstes Jahr wieder am Start sein!“

Das Ergebnis: Santino (swim): 01:06:29 – Birgit (bike): 06:05:53 – Jens (run): 03:50:19 – Platz 151 bei den Mixed-Staffeln