Eine lange Vorbereitung für den längsten Tag

Claus Heßberger finishte erfolgreich seinen ersten Ironman am 8. Juli 2012 in Frankfurt. Jörg Meyer, sein Freund und Vorsitzender des Tennisclubs Königstein, in dem Claus auch anzutreffen ist – wenn er nicht gerade schwimmt, Rad fährt oder läuft – sprach mit ihm, um den Tennisfreunden einen Einblick zu geben in die Welt des Triathlon. Auch wir dürfen dieses Interview veröffentlichen und erfahren, wie es für Claus lief und was er sagt, mit einigen Tagen Abstand.

JM:Claus, Du hast beim Ironman in Frankfurt teilgenommen. Es bedarf einer langen Vorbereitung, um 3,8km zu schwimmen, 180km Rad zu fahren, um anschließend noch einen Marathon über 42,2km zu laufen. Was hat Dich dazu veranlasst, dies zu machen?

CH: So was ist keine spontane Überlegung, nach dem Motto, ‚ich mach jetzt mal einen Ironman‘. Vielmehr fing bei mir alles vor über 10 Jahren an, als ich wieder anfing regelmäßig zu laufen. Und dann war ich mehr zufällig an einem Sonntag in Frankfurt und habe beim Marathon zugeschaut. ‚Wahnsinn‘ habe ich mir gedacht, so eine Distanz zu laufen. Aber irgendwie hat es mich schon fasziniert. Dann hat es noch zwei, drei Jahre gedauert, ich habe ein paar Bücher darüber gelesen und dann bin ich selbst Marathon gelaufen.
Was gibt es danach noch zu toppen, wenn man die Marathon-Distanz entmystifiziert hat? Na klar, die Ironman Distanz. Was für mich bis zum Schluss noch unvorstellbar war, da ich genau wusste, wie anstrengend alleine schon ein Marathon ist. Aber irgendwann habe ich mir es dann vorgenommen, bei einem Ironman zu starten. Und dann muss man es auch irgendwann mal machen, wenn man es sich vorgenommen hat.

JM: Wir lange hast Du Dich auf den Ironman vorbereitet?

CH: Mental habe ich mich fast zwei Jahre vorbereitet. Wirklich trainiert dafür habe ich gut 1 1/2 Jahre. Angefangen habe ich zunächst mit einem Kraul-Schwimmkurs, da ich vor zwei Jahren nicht mal zwei Bahnen am Stück kraulen konnte. Dann habe ich mir, Anfang letzten Jahres, ein Fahrrad gekauft und habe angefangen auf dem Rennrad zu trainieren. Das letzte ¾ Jahr vor dem Wettkampf habe ich dann strukturiert nach einem Trainingsplan trainiert.

JM: Ich stelle mir vor, dass das Training sehr aufwändig ist. Es sind ja drei Disziplinen und diese sind ja auch noch ganz schön lang. Wie hast Du das Training zeitlich in Deinen Tagesablauf untergebracht?

CH: In der Regel bin ich unter der Woche so um 5 Uhr aufgestanden und bin dann Laufen gegangen oder um 6:30 Uhr hat schon ein Hallenbad aufgemacht, in dem ich ein bis zweimal in der Woche schwimmen war. Einmal bin ich unter der Woche Fahrrad gefahren. Ab und zu bin ich auch ins Büro geradelt. Das sind one way gute 50km. So hatte ich fast jeden Tag eine Trainingseinheit. In den letzten Monaten hatte ich dann auch immer öfter zwei Trainingseinheiten pro Tag – morgens und abends. Am Wochenende habe ich jeweils eine lange Laufeinheit mit 2,5 bis 3 Stunden und ein längere Radausfahrt mit 4 bis 6 Stunden gemacht.

JM: Klingt nach einer Vollauslastung neben der Arbeit. Wie hat das Deine Familie mitgemacht, haben die Dich denn überhaupt noch gesehen?

CH: Das war schon gerade in den letzten Monaten schwierig. Und das muss ich schon sagen, da waren Steffi und die Jungs sehr verständnisvoll, wenn ich so selten da war. Irgendwie war aber allen klar, dass dies ja zum einen endlich ist und zum anderen notwendig, um gesund durch den sogenannten längsten Tag im Jahr zu kommen. Trotzdem muss ich meiner Familie einen großen Dank aussprechen, dass sie mich die ganze Zeit und dann auch bis zum Schluss auf der Strecke im Wettkampf so gut unterstützt haben. Ich denke, sonst wäre ich auch nicht so erfolgreich und in 12 Stunden 20 Minuten durchgekommen.

JM: 12:20 ist ja eine ganz ordentliche Zeit; gerade für das Debüt. Der letzte kam zum Zielschluss nach 15 Stunden ins Ziel. Einige haben es auch nicht geschafft. Trotzdem sind 12 Stunden eine lange Zeit. Wie hast Du den Tag erlebt?

CH: Wer es als Zuschauer noch nicht erlebt hat, dem kann ich nur empfehlen, an dem Renn-Sonntag an den Langener Waldsee zu kommen und sich um 7 Uhr den Schwimmstart anzuschauen. Ich war vor dem Rennen selbst zweimal als Zuschauer da. Es ist schon Gänsehaut-Feeling, wenn man die 2.500 Athleten durch den Sandstrand ins Wasser gehen sieht und dann geht die Waschmaschine los, wenn der Startschuss fällt und alle los schwimmen. Und jetzt war ich sogar einer der Teilnehmer und mitten drin. Ich war schon sehr aufgeregt, aber auf der anderen Seite nach einer so langen Vorbereitung auch sehr gespannt, wie ich den Tag erleben werde und was so passiert.

JM: Und, wie war es denn so beim Schwimmen?

CH: Nun ja, am Anfang habe ich mich etwas zurückgehalten. Ich bin ja nicht so ein toller Schwimmer und wollt nicht gleich von allen überschwommen werden oder ein Fuß ins Gesicht bekommen. Daher habe ich mich sehr nach außen orientiert. Nach gut 20…30 Minuten habe ich gemerkt, dass mir Schlecht wurde. Zunächst habe ich gedacht, zu viel Wasser geschluckt zu haben. Ich habe nach weiteren 30 Minuten dann aber gemerkt, dass es eher von der Drehbewegung beim Kraulen und Atmen kam und es sich angefühlt hat, wie Seekrank zu sein. Dann bin ich ein Stück auf dem Rücken geschwommen. Jedoch ging es irgendwie nicht besser. Habe es aber dann doch ohne Erbrechen bis ans Land geschafft.

JM: Und hast Du dann nicht daran gedacht aufzuhören?

CH: Ehrlich gesagt, habe ich während dem gesamten Rennen nie daran gedacht. Ich habe mich dann Richtung Fahrrad geschleppt und bin losgefahren. Es ging dann auch mit der Übelkeit und ich hatte, trotz anfänglichen Regens echt Spaß am Radfahren. Das Beste war mit Abstand, den Bad Vilbeler Berg hochzufahren. Wenn die Straße dann nur noch 1,5 m breit ist, weil die Zuschauer rechts und links Spalier stehen und Dich anfeuern, den Berg hoch zu fahren.

JM: Schwimmen und Radfahren ist ja schon recht lange. Ohne was zu essen kann ich mir kaum vorstellen, dies durchzustehen. Was hast Du denn gegessen?

CH: Durch die sportliche Anstrengung kann der Körper irgendwann nicht mehr so gut Nahrung aufnehmen. Auf der anderen Seite sollte man 1,5g Kohlehydrate pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde aufnehmen, um weiter auf Kohlehydrat Verbrennung zu laufen und keinen großen Leistungsabfall zu bekommen. Dies macht man typischer Weise mit Gels und Isogetränken, die einem auch auf der Radstrecke bei Verpflegungsstellen gereicht werden. Ab und zu habe ich gerade am Anfang noch eine Banane gegessen – auch um mal was anderes im Mund zu haben, als dieses Astronautenzeug. Die Sportriegel sind auch nicht viel besser. Gerade anfangs kann man die aber auch noch gut aufnehmen.

JM: So, und dann ist Radfahren fertig, Du wahrscheinlich nach 180km auch und dann kommt noch der Marathon.

CH: Ja, das ist schon so. Man steigt schon ei-rig vom Rad und darf gar nicht daran denken, noch 42km laufen zu müssen. Auch als Teilnehmer unvorstellbar. Schwierig auch, da man am Main vier Runden à 10,5km läuft und schon am Anfang die Schilder mit den hohen Kilometerzahlen sieht. Ich habe mir das Rennen Runde für Runde eingeteilt und habe mich immer gefreut, jemanden, den ich kenne unter den Zuschauern, zu sehen. Insbesondere nach jeder Runde wenn Familie und Freunde an der Strecke waren. Da sagt man sich, bis dahin laufe ich noch und nicht weiter. Und dann geht es doch wieder irgendwie weiter. Und der Zieleinlauf ist in Frankfurt schon sensationell. Wenn man nach der vierten Runde dann endlich zum Römerberg durch den 2m breiten Kanal auf dem roten Teppich hochlaufen darf, hunderte von Menschen links und rechts der Absperrung, die Dich anfeuern wie ein Superstar und die Tribüne beim Ziel vollbesetzt ist und der Jubel noch mehr wird. Wahnsinnig tolles Gefühl, es geschafft zu haben und so von den Zuschauern ins Ziel getragen zu werden.

JM: Und wie geht es jetzt weiter? Was steht als nächste sportliche Herausforderung auf dem Programm?

CH: Jetzt bin ich zunächst sehr zufrieden und glücklich, so gut und entspannt durch den Wettkampf gekommen zu sein. Und ich freue mich auch jetzt mal wieder, ein paar anderen Interessen nachzukommen. Zum Beispiel dem Tennisspielen. Bestimmt mache ich nochmal einen Ironman. Dazu habe ich beim ersten Mal zu wenig gelitten und riesen Spaß gemacht hat es auf jeden Fall.

JM: Dank Dir für das Gespräch.

CH: Sehr gerne.