Ironman Frankfurt: Stefan Voigt verbessert seine Zeit um 90 Minuten – ein Bericht zum „längsten Tag des Jahres“

IM Frankfurt

„Nach vielen Monaten des Trainings stand ich nun endlich am Start meines zweiten Langdistanzrennens. Am 07.07.2013 um 07:00 Uhr fiel der  Startschuss zur Ironman European Championship.

Von den Fans ins Ziel getragen!
Von den Fans ins Ziel getragen!

Da das Rad ja noch nicht rund genug war, musste es dieses Jahr natürlich nochmal neu erfunden werden. Also alles ein bisschen anders als 2010. Abgesehen davon, dass ich mich dieses Jahr in den Neoprenanzug quetschen musste. Die Zeit war also ein bisschen knapp. Aber nach ein paar Minuten Hektik war alles da wo es hingehört, alle standen am Strand und die Nationalhymne wurde mit viel Patriotismus der aufgehenden Sonne entgegen geschmettert. Die erste kleine Gruppe mit meiner Trainerin Natascha unter den Profis ist pünktlich losgeschwommen.  Also jetzt noch mit Einschwimmen ablenken, einen guten Platz an der Startleine suchen und auf den Startschuss warten.

Ein Politiker, eine Pistole, ein Schuss!!

gut sieht das aus!
gut sieht das aus!

Schon ging er los, der wilde Ritt. Über 8 Monate Trainingsstress waren auf einmal weggeblasen und ab jetzt hieß der Befehl: „Vorwärts!“ 3,8km Gedränge wie im Schlussverkauf. Oder auf dem Weihnachtsmarkt. Oder am Kofferband auf dem Flughafen. Wie auch immer. Mir schien es, dass nicht genug Wasser für alle da war und sich einige drum streiten wollten. Also  Schluss mit zu viel Empathie und einfach durch. So kam ich zu meiner guten Schwimmzeit. Der erste Punkt war also schon mal gut gemacht zu verbuchen.

Jetzt schnell über den Strand, den richtigen aus 2600 blauen Beuteln finden, fix umziehen und dann ab auf’s Rad. Jetzt kam der Teil, der sich ein bisschen zieht. Also den Diesel anwerfen und Rhythmus finden. Leider wurde mir Rhythmusgefühl noch nie nachgesagt. So sollte die zweite Runde eine zähe Geschichte werden

Ein Käsebrötchen als zweites Frühstück und dann einfach durcharbeiten. Schließlich ist die Radstrecke ja kein unbekannter Gegner. Der einzigste Störfaktor sollten ein paar Kampfrichter bleiben. Aber auch das ließ sich mit ein bisschen Diplomatie lösen und so ging es gut durch die Wetterau. Jetzt noch mit breitem Grinsen das zweite Mal den Hearthbreak Hill in Bad Vilbel hochfliegen, (das haben sich die Stimmungskanonen da verdient) und dann zügig runter nach Frankfurt dem Römerberg entgegen gerollt.

Jetzt kommt ja nur noch der Marathon. Der Teil auf den ich mich am meisten gefreut habe.(Sollte ja nach fast 4km Rummelboxen im See und 180km Regelkunde im windschattenfreien Rad fahren nicht mehr so schlimm werden.) Immerhin wartet da ein extra angereistes Supporterteam zum Anfeuern und unser Triathlonteam, das extra eine ganze Verpflegungsstelle eingenommen hat.

Im Ziel!
Im Ziel!

Jetzt ging der Wechsel schneller als am Morgen nach dem Schwimmen. Meine Sachen hatte ich schnell gefunden, da sie da hingen wo sie sollten. Schnell ins Wechselzelt, die Radsachen in den Sack. Die Laufschuhe an, Mütze auf und los. Die ersten Meter über den roten Teppich, der 4 Runden später auf den Römerberg führen sollte. Der Lärm war jetzt schon zu hören. Gänsehaut bei fast 30 Grad ist schon was Tolles. Was für ein Lärm die Leute hier machen. Die ganze Zeit haben sie gewartet, um uns jetzt anzufeuern. Also perfekte Laufhaltung wie wir es bei Jens im Lauftraining gelernt haben und immer lächeln. Dabei am besten noch möglichst schnell laufen. Es ging noch besser als erwartet. Die ersten 5km waren nur ein bisschen zu schnell. Da hab ich mich wohl von der Euphorie der Massen anstecken lassen. Also ein bisschen Tempo rausnehmen und wieder einen guten Rhythmus finden. Da kommen ja schließlich noch ein paar Kilometer. So ging es dann weiter. Auch wenn an der Laufstrecke viele und noch mehr Menschen sind die einen anfeuern und da auch noch 2600 andere Athleten sind, ist und bleibt Triathlon eine Individualsportart und man ist irgendwie doch alleine unterwegs. Keiner da der das selbe Tempo läuft und an den man sich hängen kann. Viele waren langsamer und viele zu schnell um die ganze Strecke mitzulaufen.  Also ging es weiter in Begleitung  der zugerufenen Tipps vom Lauftrainer, der in der ganzen Stadt zu hörenden Anfeuerungen meiner Freundin, die fast immer nur gehört und nur selten gesehen habe, der restlichen Familie die sich an der Strecke verteilt hatte und der tollen MTV-Truppe an einer Verpflegungsstelle. Nicht zu vergessen die Vorfreude auf den Römerberg und auf Mike Reilly, „Voice of Kona“ und dem berühmtesten Zielliniensprecher, den die Triathlonwelt zu bieten hat.

So wurde Kilometer um Kilometer und Runde um Runde eingesammelt, nur um dann endlich an dem erlösenden Schild anzukommen, dass einem „erlaubt“ nach rechts in Richtung Ziel abzubiegen. Endlich nicht mehr geradeaus weiterlaufen, sondern die letzten Meter durch das Spalier der Massen ins Ziel zu laufen.

Kleine Kinder freuen sich ja meistens ein Jahr auf Weihnachten nur um dann mit einem Strahlen im Gesicht die Geschenke auszupacken. Da war es ähnlich. Nur das der Weihnachtsmann nicht „HOHOHO!“ gerufen hat, sondern: „ Stefan you are an Ironman!!“ Unglaublich! Was für ein „Lärm“ die Leute auf der Tribüne machen. Jetzt unter dem Zielbogen stehen bleiben umdrehen und winken, damit es noch ein paar tolle Fotos gibt. Dann endlich mal ein Blick zur Uhr. 10:57:57. Gar nicht so schlecht. 90 Minuten schneller als beim letzten Mal und ich fühl mich auch noch besser.

Das Beste an einem langen Wettkampftag? Eine heiße Dusche! Dazu noch eine Massage und es tut schon gar nicht mehr so weh. Da könnte man sich dran gewöhnen. Aber jedes Mal so ein Rumgehetzte vorneweg? Dann lieber doch nicht. Aber jetzt mit neuem Finishershirt und blinkender Medaille auf der Brust zu Familie und Fanclub.

Zum Schluss ein riesengroßes Dankeschön vor allem an Catherine, meine Familie und ihre Familie. An meine Trainerin Natascha Schmitt, dank der ich auf der Radstrecke jeden Baum am Rand mit Namen kenne, da sie mich mit manchmal ganz schön fiesen Trainingsplänen versorgt hat, die aber einen großen Teil zu meiner Verbesserung beigetragen haben und an alle, die am Sonntag an der Strecke waren und die mir in der langen Zeit der Vorbereitung mit Rat und Tat zur Seite standen!

Was für ein Sonntag! Aber bevor man sich daheim langweilt“ 🙂

Ergebnis