Ironman Frankfurt – ein Erfahrungsbericht

Claus Heßberger über seinen Start beim Ironman Frankfurt

Eine Langdistanz im Triathlon ist ja immer ein kleines Abenteuer. Man weiß nie, was über die Distanz von 226km alles passiert. Auf jeden Fall braucht man sich an so einem langen Tag sonst nichts weiter vornehmen. So habe auch ich mir am 6. Juli beim Ironman in Frankfurt nichts weiter vorgenommen und bin um 7 Uhr morgens mit rund 3.000 weiteren Startern auf die Schwimmstrecke gegangen. Auf den ersten 200m hat es sich angefühlt, als ob 10.000 Menschen um und über mir waren. Ein Hauen und Stechen, als ob das Rennen vom Start abhängt. Dann ging es aber sehr zivilisiert zu und auch ich bin in einen gewissen Schwimmrhythmus gekommen. Lediglich an den Wendebojen wurde es wieder etwas voll im Wasser. Schön ist in Frankfurt der Landgang nach 1.700m. Da ist die Stimmung schon wahnsinnig. Die ersten Zuschauer stehen im Wasser und Treiben die Athleten voran, bis man auf die zweite Schwimmhälfte geht und es wieder sehr ruhig um einen wird.

Trotz meiner nicht berauschenden Schwimmzeit von gut 1:23h waren noch erstaunlich viele Räder in der Wechselzone. Diese standen im Vergleich zu früher auch sehr viel enger, da keine Wechsel-Sachen mehr am oder beim Fahrrad liegen dürfen. Maximal Helm, Brille, Startnummer und eingeklickte Radschuhe dürfen am Fahrrad sein. Der Rest, wenn denn da noch was bleibt, ist im Beutel auf dem Ständer. Dort ist auch der Neo, Schwimmbrille etc. einzupacken und abzugeben. Ich hatte Glück und die Startnummer neben mir blieb unbesetzt, so dass ich das Fahrrad günstig über die Stange einhängen konnte. Sonst wäre es echt sehr eng und hakelig geworden.

So, endlich auf dem Rad bin ich sehr euphorisch gestartet und konnte den einen oder anderen Athleten schon am Anfang überholen. Bei schönstem, sommerlichen Wetter ging es vom Langener Waldsee durch Frankfurt und in die Wetterau bis nach Friedberg und wieder zurück nach Frankfurt, um dann nochmals auf die zweite Runde nach Friedberg zu gehen. Auf den 180km wird man glücklicherweise mit Wasser, Iso, Gels und Bananen voll versorgt. Die Grundversorgung von Gels habe ich in einer Fahrradflasche selbst mitgenommen. Beim anderen habe ich gerne zugegriffen. Eine Wasserflasche ging ab der zweiten Fahrradrunde postwendend über Helm und Rücken – alles was von außen kühlt, muss nicht herausgeschwitzt werden. Allerdings war das Vergnügen nur von kurzer Dauer. Nach einem knappen Kilometer war ich durch Fahrtwind und Sonne wieder brottrocken. Es war schon ganz schön warm. Auf der Radrunde gibt es ein paar neuralgische Stellen, die von Zuschauern stark besucht werden. Die wohl aufregendste ist in Bad Vilbel, wenn es den letzten Berg hoch geht, um dann nach Frankfurt runter zu fahren. Dort verengen die Zuschauer die Radstrecke bis auf einen Meter und treiben Dich über den Hügel. So ähnlich stelle ich mir das Tour de France Zeitfahren auf Alp d’Huez vor. Aber als Hobbysportler und Altersklasse Athlet werde ich dies in diesem Leben nicht mehr mitbekommen. Doch auch in Bad Vilbel bekommt man das Gefühl, wie ein Profi bejubelt zu werden.

Die zweite Radrunde wird in Frankfurt typischerweise etwas windiger, wodurch sich meine Radzeit nicht verbesserte und ich froh war, nach knapp sechs Stunden auf dem Rad mit nur einer herunter gesprungenen Kette pannenfrei am Mainufer angekommen zu sein.

Auf der Laufstrecke war gleich viel los. Nicht nur die Läufer, die schon die ersten Runden absolviert haben, sondern auch sehr viele Zuschauer, die wegen des top Sommerwetters die Strecke säumten. Dies trägt natürlich unheimlich durch die 42,2km. Jedes bekannte Gesicht bei den Zuschauern motiviert doppelt weiterzulaufen, auch wenn es auf den vier Runden am Mainufer á 10,5km zunehmend schwerer fällt die gewünschte Laufzeit einzuhalten. Aber ich wusste ja genau wo mein Support-Team stand, das ich zweimal auf jeder Runde gesehen habe und die mich hervorragend unterstützt haben. Auch jede Versorgungsstelle habe ich sehnsüchtig angelaufen. Eis unter die Mütze oder in den Anzugrücken gesteckt, Becher Cola und in eine Orange gebissen. Salz habe ich schon vier Tabletten beim Radfahren genommen, so dass ich da nur einmal nachgeladen habe. Auf den letzten Runden habe ich mir den Wasserschlauch über den Kopf brausen lassen. Ein Großteil der Strecke liegt in der Sonne und bei über 30°C im Schatten, hieß es nur kühlen, kühlen, kühlen.

Vier Bändchen sind auf den Runden zu sammeln, bevor man endlich in den Zieleinlauf auf den Römerberg einbiegen darf. Nach insgesamt guten 12:08h kam auch ich ins Ziel und dies ist in Frankfurt nicht nur das Renn-Ende sondern der absolute Höhepunkt. Auf dem 200m langen roten Teppich vom Main hoch zur Zuschauertribüne auf dem Römerberg tut einem trotz der sehr, sehr langen Sporteinheit nichts mehr weh. Der zwei Meter breite Kanal über den Teppich wird durch die ausgestreckten Hände der Zuschauer eng. Jeder jubelt Dir zu, Du weißt in dem Moment, wofür Du so lange trainiert hast. Du wirst vor dem Zielbogen empfangen wie ein Superstar. Brausender Jubel von beiden Seiten der Tribünen. Und Du weißt, auf was Du die ganze Zeit hin trainiert hast. Echtes Gänsehautgefühl!

Sehr glücklich und für den Trainingsaufwand sehr zufrieden mit der Zielzeit (10min besser als beim ersten mal), habe ich bis auf einen entzündeten und zwei blaue Zehen keine Blessuren mitgenommen. Ich konnte am Montag die Treppen hoch und sogar schmerzfrei herunter laufen 🙂 Von einem größeren Muskelkater blieb ich verschont. Die Erlebnisse eines schönen, langen Tages bleiben!

IRONMAN Frankfurt Germany European Championship (3,8-180-42,2)

NameZeitAKPlatz
1559Claus Heßberger12:08:57 (01:23:49/00:07:10/05:57:40/00:02:07/04:38:52) M45271